Münchner Kunstkammer

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Die Kunst- und Naturaliensammlungen Albrechts V. von Bayern waren im Marstall- und Kunstkammergebäude untergebracht, welches 1563–1567 neu errichtet worden war. Die Inneneinrichtung war in den frühen 1580er Jahren abgeschlossen. Seine Sammeltätigkeit begann der Herzog wohl in den 1550er Jahren oder bereits früher, später unter Einfluss Johann Jakob Fuggers (1516–1575) und weiterer gelehrter Räte. Die Sammlungsbestände der Kunstkammer umfassten schließlich Bavarica/Wittelbacensia, Exotica, Naturalia und aus Naturalien gebildete Kunstobjekte, Artificialia, Scientifica, Miniaturkunstwerke, von Fürsten gefertigte Kunstgegenstände, Memorabilien, Gemälde, Skulpturen und einige wenige antike Stücke (diese mehrheitlich im Antiquarium). Ein besonderes Augenmerk lag auf Stücken, die neben dem allgemeinen Wissen über die Welt das bayerische Territorium als konfessionell geprägten Ort repräsentierten. Außerdem hatte die Sammlung in ihrer Frühzeit durchaus noch den Charakter einer Werkstatt oder eines Labors. Die Münchner Sammlung kann als das früheste zuverlässig dokumentierte Beispiel einer ‚enzyklopädischen‘ Kunstkammer gelten, in der sich als mikrokosmisches Abbild des Makrokosmos und in mehrheitlich systematischer Klassifizierung und Anordnung die Welt einschließlich der neu entdeckten Kontinente manifestierte.

Die personelle Ausstattung der Institution ‚Münchner Kunstkammer‘ war allerdings noch gering. Der als Arzt und Kunstberater in den Diensten Albrechts stehende Samuel Quiccheberg (1529–1567) entwickelte anhand des Beispiels der Kunstkammer sein sammlungstheoretisches Traktat Inscriptiones vel tituli theatri amplissimi (1565) und wollte sich mit diesen vermutlich für die Position eines Kunstkämmerers empfehlen (Brakensiek 2008). Die später tatsächlich dokumentierten Kunstkämmerer, von denen Hainhofer einen erwähnt, hatten seiner Auffassung nach eine wesentlich praktischere Aufgabe, nämlich den Erhalt des komplexen Objektgefüges der Sammlung: „Der Kunst Cammerer haist Jacob Bühler, vnd hat genug zu schaffen, das er ain ding sauber vnderhalte (1611, fol. 158v)“.

Bereits unter Maximilian I. wurden der Sammlung wichtige Stücke vor allem zugunsten seiner Kammergalerie entnommen, andere kamen hinzu (s. Kommentar). Insgesamt wurde die Kunstkammer in den ersten beiden Jahrzehnten seiner Regierung zwar noch neu organisiert und in ihrer Präsentation verbessert, doch die Entnahme bedeutender Pretiosen ließ sie zu einer Sammlung von Gegenständen von geringem Kunstwert werden. Die Plünderung durch die Schweden 1632 tat ihr Übriges. Der Auszug der Kunstkammer aus ihrem angestammten Domizil erfolgte nach 1807; die Sammlungsgegenstände wurden auf andere Institutionen verteilt. Damit endete die institutionelle Geschichte der Münchner Kunstkammer.

Zur räumlichen Disposition der Sammlungen vgl. den Objektregistereintrag Marstall- und Kunstkammergebäude.

Kommentar

Hainhofers Notizen von 1603 und 1611 sind die wichtigsten Zeugnisse für den Bestand der Kunstkammer in den Jahren nach ihrer Inventarisierung durch Fickler 1598. Zum einen kommen darin bereits vorhandene Gegenstände vor, die Fickler ausgelassen hatte, so eine „gar große lauten (1611, fol. 153r)“ und ein monströses Gebilde (1603, fol. 137r: „Ain Eber, hat 7 köpf, 2 hendt, 4 fueß, vnd 4 schwenz“; 1611, fol. 145v: „aine hÿdra mit 7 köpffen, 2 händen, 4 füessen vnd 4 schwäntzen, Ich glaub es seÿe cosa contrafatta“), zum anderen einige Neuzugänge, so von Maximilian I. selbst gedrechselte Objekte (1611, fol. 151r: „Auf ainem tisch, Ain hauffen helffenbaininer, runder vnd ablanger geschirr, becher, trühlen, flaschen, schüßlen, darunder etlich schöne, so Hertzog Maximilian gedrehet Hat.“; fol. 152v: „Auf ainem tisch allerlej schöne helffenbainine, auf mancherleÿ art, mehrerthails vom Hertzog Maximilian gedrehte geschirr.“). Außerdem kamen jetzt zu den Pretiosen im nordöstlichen Eckkabinett auf einem Tisch „ain grosses Handböckin, darin aine muschel, welche geflochtene schlangen tragen, mit bilderen, oben ist alles von ambra, vnd nur die muschel silberin, vil gelts werth, stehet in ainem gläsernen kästlin, oben darob stehen zweÿ grosse bilder auß Ambra (1611, fol. 151v152r)“, „Ain wappenring, darin ain schlagend V̈hrlin (1611, fol. 152r; 1603, fol. 140v: „Ain bitschier ring, darinnen ain schlagent Vhrlen“)“ und „Sankt Lucretia [sc. Leocritia] in Agat (1611, fol. 152r)“. Aus dem nordwestlichen Eckzimmer wurde dorthin zudem „Ain staininer tisch, darauf Canzonj vnd allerleÿ musicalische Instrumenta geetzt (1611, fol. 152v)“ versetzt. Auch die Pantoffeln der wahrscheinlich ermordeten Herzogin Jacobe von Baden-Baden wurden zuerst von Hainhofer benannt (1611, fol. 149r). Weiterhin wurde die Sammlung um einen bedeutenden Bestand an Prunkwaffen ergänzt: „Auf ainem tisch, aine schöne grosse mußqueten, vnd ain Carbiner, vnd musqueten gabel, mit 3 pulfer flaschen, die schlos vnd rohr mit Vergultem silber ziert, vnd ain wenig mit gold eingelassen, die schäfft auf das helffenbain mit gold, silber, vnd perlenmutter eingelegt, aine schöne, sehr mühesame arbeit, alles in schönen futeralen (1611, fol. 151v).“ Desgleichen um türkische Militaria: „Auf ainem tisch aine türggische rüstung vnd Roßzeüg. mit aller zugehör, wie ain türggischer Obrister im feld reütet (1611, fol. 154r)“ Und um Keramik und Geschirre: „Ain Credenz mit sehr schönen porcellaninen geschirren vnd schaalen (1611, fol. 154r)“ und „Ain Credentz mit alabasternen geschirren (1611, fol. 154r)“ Außerdem eine Ergänzung um Naturabgüsse: „Etliche goßne silberne schlangen vnd andere Insecta (1611, fol. 154r)“. Vgl. hierzu Seelig 2008, S. 85–88.

Sitz

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