München, Jesuitenkirche St. Michael, Fassade

Fassade der Jesuitenkirche München, Ausschnitt aus der Ansicht des Münchner Jesuitenkollegs von Johann Smisek
Herzog Theodovalda, Fassadenskulptur von St. Michael, heute im Hof des Jesuitenkollegs, München

Kategorien

Datierung

1583–1589

Format/Maße

H.: ca. 48 m

Weitere Angaben

Die hoch aufragende, weitgehend verputzte Eingangsfassade von St. Michael ist nach Süden gerichtet und dreigeschossig mit vorgelegter toskanischer Pilasterordnung sowie Putzfeldergliederung aufgebaut. Die Raumstruktur des Inneren bedingt die Dimensionierung der Geschosse und des steilen Giebels, vor allem aufgrund der hohen Emporenzone und des hohen Dachstuhls. Architektonische Elemente wie die Voluten und Pyramiden erscheinen eher additiv und nicht strukturell bedingt; die Gesamtheit des Aufbaus wirkt daher flächig und wenig plastisch. Im Gegensatz zum Inneren rezipiert die Schaufront somit kaum italienische Modelle wie die frühbarocken zweigeschossigen Kirchenfassaden vom Typus Il Gesù.

Die zurückhaltende skulpturale Ausformung bringt allerdings das Figurenprogramm der Bauplastik in den Nischen umso deutlicher zur Geltung: In der Mittelachse zwischen den beiden von Pilastern und gesprengten Giebeln gefassten Portalen findet sich die monumentale Skulptur des Hl. Michael im Kampf mit dem Teufel, in der Nische der Giebelspitze die Figur des Christus als Salvator Mundi (getriebenes Kupfer, Original 1944 zerstört). Innerhalb dieses heilsgeschichtlichen Rahmens ist eine Herrscher- und Ahnengalerie vermutlich nach dem Entwurf Wilhelms V. von Bayern eingestellt, beginnend im Giebelfeld mit der Figur des legendären Bayernherzogs Otho, flankiert auf Postamenten zu beiden Seiten des Giebels von dessen Brüdern Theodo und Theodovalda, dann sich mit jeweils sechs weiteren Figuren in den beiden mittleren Geschossen fortsetzend, in der oberen Reihe: Tassilo I., der Begründer der Wittelsbacher Herrschaft in Bayern Otto I., Karl der Große, der Wittelsbacher Christoph III. von Dänemark, Albrecht IV. von Bayern und Ruprecht III. von der Pfalz; in der unteren Reihe: die Kaiser Maximilian I. und Ludwig IV. der Bayer, die Herzöge Albrecht V. und Wilhelm V. von Bayern, die Kaiser Karl V. und Ferdinand I. Das Bildprogramm stellte sowohl die legitime Tradition katholischer Herrschaft der bayerischen Herzöge als auch den Anspruch der Dynastie auf die Kaiserwürde heraus.

Die über drei Geschosse durchlaufende Inschrift der rotmarmornen Gebälkzone verweist auf den Stifter, der im Figurenprogramm der Fassade mit einem Modell des Baus präsent ist: „DEO. OPT.MAX.SAC. / IN MEMORIAM D. MICHAELIS ARCHANGELI DEDICARI CURAVIT / GUILELMUS V. COMES PALATINUS RHENI UTRIUSQUE BAVARIAE DUX PATRONUS ET FUNDATOR (Gott, dem erhabensten und höchten Herrn, ließ dieses Heiligtum zum Andenken an den heiligen Erzengel Michael Wilhelm V., Pfalzgraf bei Rhein und Herzog von beiden Bayern als Schutzherr und Stifter weihen)“.

Die Figuren stammen zum einem Teil von Hubert Gerhard (1540/1550–um 1620), der für die monumentale Bronze des Erzengels Michael und die Hartstuckfiguren Albrechts IV., Albrechts V. und Wilhelm V. verantwortlich zeichnete. Die übrigen (Stein-)Skulpturen der Herrscher- und Ahnengalerie wurden aus dem Antiquarium der Residenz auf die Kirchenfassade übertragen. Diese können den Bildhauern Jordan Prechenfelder (gest. 1575) und Hans Erndorfer zugeschrieben werden (vgl. Diemer/Diemer 1995, S. 66–76). 1907/1908 wurden die Originale teilweise restauriert, teilweise durch Kopien ersetzt (fünf beschädigte Originale heute im Hof des Jesuitenkollegs).

Kommentar

Hainhofer gibt 1603 und 1611 nur den zweiten, auf den Stifter bezogenen Teil der Inschrift im 1. Hauptgeschoss wieder und verzichtet auf die Widmung an den hl. Michael. Der von ihm genannte „Otto dux Bauariae“ unterhalb des Salvators bezieht sich auf den legendären Bayernherzog Otho. Sein Vermerk, die Figuren seien aus „weiß marmelstain“, gibt einen Hinweis auf ihre ursprüngliche farbliche Fassung, wogegen andere frühe Quellen einen bronzefarbenen Anstrich nahelegen (Altmann 1976, S. 17–18).

Befindet/befand sich in

München, Jesuitenkirche St. Michael

Schlagwörter

Literatur

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