Tuschsteine in der Münchner Kunstkammer

Vergleichsabb.: Doch keine „Dinten“ – Darstellung eines Tanzes der Tupinambá mit Rasselbändern, in: Hans Staden, Warhaftig Historia und beschreibung eyner Landtschafft der Wilden, Nacketen, Grimmigen Menschfresser Leuthen, in der Newen welt America gelegen, Marburg 1557, Bayerische Staatsbibliothek München

Andere Namen

  • Tintengefäß
  • Vier Rasselbänder der Tupinambá, Ostbrasilien

Kategorien

Datierung

16. Jahrhundert

Weitere Angaben

Mit „Jndianische Dinten“ meint Hainhofer entweder Tuschsteine oder metonymisch „Tintengefäße“, was mit den in der Münchner Kunstkammer auf dem gleichen Tisch aufgeführten weiteren Gefäßen gut übereingehen würde. Im Pharmakophylakion des Laurentius Hofmann (1582–1630) von 1625 ist hingegen von indianischen schwarzen und roten Tinten die Rede (unpaginiert), was auf ein Farbmaterial hindeutet. Christoph Vielheuer (1624–1687) beschreibt in seiner Gründlichen Beschreibung fremder Materialien und Specereyen den Gebrauch von Tuschstein und indianischen Tinten (S. 24).

In der Forschung zur Münchner Kunstkammer wurde die Stelle bei Hainhofer bislang zumeist als verschrieben für Binden im Sinne von Gürteln verstanden (vgl. Bujok 2004, S. 93; Münchner Kunstkammer, Bd. 1, S. 79). Da es aber in allen überlieferten Textvarianten der Münchner Reiserelation von 1611 gleich vorkommt und von ihm solche „Dinten“ auch 1616 in der Stuttgarter Kunstkammer zusammen mit außereuropäischen Objekten, zumeist Besteckteilen, Gefäßen und anderen Behältern, erwähnt werden, ist dies auszuschließen. Die vorgeblichen „Binden“ wurden im Münchner Kontext als ostbrasilianischen Rasselbänder gedeutet (Bujok 2003, S. 117–119; Bujok 2004, S. 92–93, 102; Münchner Kunstkammer, Bd. 1, S. 79–80, Nr. 236). Im Ficklerschen Inventar werden solche 1598 als „Vier Indianische geschell, das ein obenher 3 finger brait, mit weißen und schwarzen bainen Ringlen, [2] das ander mit weißen Möhrschneckhlein, [3, 4] das dritt und viert mit Rebschnüeren verfaßt, darunder her, Indianische wassernuß umbherhangend, welche, wan die bewegt, ein selzam geschell, alß wan die Mettallin schellen wern, geben. Welche die Indianer in ihren freuden spilen, und Tänzen umb sich gürten, und mit großem geschell herumbspringen“ (S. 55, Nr. 236) in ihrer Funktion recht genau beschrieben (s. Vergleichsabb.). Die Rasselbänder waren aus unterschiedlichen, wahrscheinlich mit einer Baumwollschnur miteinander verbundenen Materialien gefertigt und gaben bei Zeremonien und Festen den Takt an. Sie fanden sich laut dem Ficklerschen Inventar ungefähr an einer Stelle der Münchner Kunstkammer, an der Hainhofer in seiner Beschreibung von 1611 von „Jndianische Dinten“ spricht, jedoch ist es wie gesagt auszuschließen, dass es sich bei den „Dinten“ um solche rituellen Musikinstrumente handelte.

Vorkommen im Text

  • München 1611, fol. 147r: [...] , Japponische geflochte- / ne , gemahlte, gefirneuste vnd andere schüßlen / vnd geschürr, klain vnd groß; Jndianische Dinten; / auß gras gewürckte Leinwath. teppich darauß; / mit bilder geschnittene muscatnuß [...]

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