Thomas Schweicker

* 1541
✝ 1602

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Weitere Angaben

Thomas Schweicker (anderslautendendes Geburtsjahr seiner Leichenpredigt: 1540) fehlten seit seiner Geburt beide Arme. Er war aber nicht nur in der Lage, selbstständig alltägliche Verrichtungen, wie An- und Auskleiden oder Essen und Trinken, auszuführen, sondern er lernte auch, mit den Zehen seines rechten Fußes einen Federkiel zu halten und zu schreiben. Er lebte im Hause seines Bruders David Schweicker auf dem Rosenbühl in Schwäbisch Hall, wo heute eine Gedenktafel an ihn erinnert. Seine Fähigkeiten als Kalligraph entwickelte er so weit, dass er damit nicht nur seinen Lebensunterhalt verdienen konnte, sondern zu einer Berühmtheit wurde. Über ihn erschienen Flugblätter in Frankfurt 1600 und in Nürnberg 1601 (Schilling 1990, S. 146 mit Anm. 20). Im Kunstkammer-Inventar des Straßburger Kaufmanns Balthasar Künast (1589–1667) ist eine 1600 datierte Schrift von Thomas Schweicker aufgeführt (Terey 1896, S. 33). Ein Bildnis Schweickers sowie eine Arbeit von ihm gelangten in die Stuttgarter Kunstkammer (Huber 2017, S. 692 mit Anm. 61). Im Inventar des Nürnberger Kunstsammlers Paulus Praun (1548–1616) von 1616 ist ein Bildnis Schweickers aufgeführt, das vermutlich vom Schäbisch Haller Maler Jakob Hofmann gefertigt wurde (vgl. Achilles-Syndram 1994, S. 137, Nr. 248).

Kommentar

Hainhofer erwähnt 1628 „Schrifften, welche Thomas Schweigger von Schwäbischen Hall vnd andere, auß mangl arm vnd händ, mit den füessen geschriben“ in der Kunstkammer von Schloss Ambras (Doering 1901, S. 86); ein Schriftstück wird noch heute in Schloss Ambras verwahrt. Offensichtlich faszinierten Hainhofer Menschen, die trotz körperlicher Behinderung außergewöhnliche Leistungen erbringen konnten. Der ebenfalls ohne Arme geborene Bartholomäus Bartelsen aus Riga trug sich am 24. Februar 1619 in Hainhofers Wolfenbüttler Stammbuch ein (p. 457); er gab sein Alter mit 30 Jahren an. Im selben Jahr gab Johann Ulrich Schönigk in Augsburg ein Flugblatt über ihn heraus (Schilling 1990, S. 146 mit Anm. 21); einen kolorierten Abdruck führt Hainhofer in einem undatierten Schreiben an Herzog August d. J. zu Braunschweig-Lüneburg als mögliches Ausstattungstück für einen Kunstschrank auf (Gobiet 1984, S. 846, Nr. 1514).

Die Bekanntschaft von Konrad Schott mit Schweicker könnte 1592 erfolgt sein, als Schott eine Orgel in die Michaeliskirche nach Schwäbisch Hall lieferte (vgl. Wohnhaas 1969, S. 359). Auf der Weltausstellung für Buch und Gewerbe in Leipzig 1914 wurde ein Bild Thomas Schweickers gezeigt, das sich auf einem Holzschieber befand. Mit diesem konnte ein in einem Rahmen befindliches Schriftstück überdeckt werden, das eine Widmung Schweickers an Conrad Schott vom 17. August 1596 enthielt; dabei gab Schweicker sein Alter mit 55 Jahren an (vgl. Sonnecken 1914, S. 248). Von der Bekanntschaft Schotts mit Schweicker wusste der mit Hainhofer befreundete Theologe Johann Valentin Andreae (1586–1654). Er publizierte 1619 unter seinen in Straßburg erschienenen christlichen Fabeln ein Gleichnis, wonach beide die Natur verklagten, weil diese sie benachteiligt habe, Schweicker habe keine Arme und Schott sei blind. Die Klage setzte Schweicker in schön gemalter Schrift auf, die Schott mit einem kunstvollen Rahmen versah. Der Richter entschied daraufhin, dass die Natur die beiden mit hervorragenden Gaben ausgestattet und nicht benachteiligt habe und wies die Klage ab (Andreae 1619, S. 141).

Konfession

  • protestantisch

Vorkommen im Text

  • Stuttgart 1616, fol. 225v: [...] werckhstat gesehen, vnd von Jme vertröstung / bekommen, das er mir auch was machen wolle, / hat mir auch erzelt, wie er auf einer Rais / vnuersehens den Mann ohne Ärm, so mit / den Füeßen geschriben, angetroffen, vnd / wie sie hernach einander zuegeschriben, / vnnd [...]

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