Discordia, Personifikation

Anderer Name

Monstrum

Weitere Angaben

Während Concordia beim Festaufzug Georg Friedrichs von Baden-Durlach anlässlich der Stuttgarter Kindtaufe 1616 als staatstragende weibliche Personifikation auftrat, war die von ihr an einem Seil gefesselte Discordia eine mehrgliedrige und mehrgesichtige männliche Gestalt, die auch nie mit dem lateinischen Begriff discordia, sondern meist als monstrum oder in Weckherlins Triumf als „wunderthier Zwiträchtigkeit“ (S. 27) bezeichnet wurde (Abb. unter Stuttgart 1616, „Info“).

Kommentar

Hainhofer erläutert die Personifikation in der Variante HAB, Cod. Guelf. 83 Extrav. und in der Heidelberger Variante eindeutig als antikatholisch, indem er die drei Gestalten als Spanier, Jesuit und Kapuziner deutet, die Deutschland „inquetirn“ würden. In dem nach Heidelberg gesandten Text gibt er noch den einschränkenden Zusatz „meines bedunckhenß“, wodurch er die Aussage als seine eigene Deutung kennzeichnete. Selbstredend halten sich die beiden offiziellen Festberichte von Weckherlin (S. 2728) und Assum (S. 1314) mit solch unmissverständlichen Aussagen zurück. Auch wenn davon auszugehen ist, dass die Konzeption dieses Festaufzugs auf Georg Rodolf Weckherlin zurückgeht (vgl. Registereintrag: Concordia), so ist es doch möglich, dass Georg Friedrich von Baden-Durlach selbst einige Passagen dazu beitrug, da er für sein Stammbuchblatt für das Album Philipps II. von Pommern-Stettin eine explizit antijesuitische Ikonographie gewählt und dies Hainhofer bei dessen Besuch in Durlach 1615 auch entsprechend erläutert hatte (Wildbad/Heidelberg/Durlach 1615, fol. 227v228r). Den Hinweis auf eine solche Deutung der Discordia-Figur kann Hainhofer folglich von dem Markgrafen selbst erhalten haben. So berichtet er am Folgetag in einer ebenfalls aus der Schlussfassung gestrichenen Passage, dass dieser während eines persönlichen Gesprächs ihm sein Kartell zugestellt habe (HAB, Cod. Guelf. 83 Extrav., fol. 247r). Oder der Augsburger gelangte aufgrund seines Wissens um die ikonographischen Vorlieben des Fürstens zu seinem Verständnis des markgräflichen Festaufzugs.

In der Münchner Variante sind die beiden entfernten Textpassagen noch vorhanden (274r, 275v), aber bereits durchgestrichen, so dass sich daraus ein wichtiger Hinweis auf die Funktion dieser Abschrift bei der redaktionellen Entstehung der „Endfassung“ der Stuttgarter Reiserelation von 1616 ergibt.

Kategorien

Konfession

  • keine Angabe

Vorkommen im Text

  • Stuttgart 1616, fol. 201v: [...] Numero 5 v̈bergeben, / ein Monstrum an einem strickh mit vilen / / [...]
  • Stuttgart 1616, fol. 202r: [...] (Gott be- / hüet vnß vor Jme) Schwartz vnnd glatt an- / gezogen ware, vnd vnder dem Monstro gienge, / das Bildt oder [...]
  • Stuttgart 1616, fol. 229v05v: [...] stimiren/ ja endtlich mit der Majestet deß Keyserthumbs begabet/ / Jch dannoch die gewißheit deß alten Sprichworts (Glück ist nicht ohn Neyd) vielfältig erfahren müssen: Jn dem neben andern / meinen Feinden ein grewlich vnd abschewlich MONSTRVM auß Abgrund der Höllen entsprungen/ Mich nun so lange Zeit also tri- / buliert/ vnd dermassen mir zugesetzt/ daß mehr dann einmahl ich mich alles deß Meinigen/ ja deß Lebens selbsten/ erwegen müsse. Doch hat endtlich / das Glück meine ein geraume Zeit in der ferrn gewesene beste Freundin/ [...]
  • Stuttgart 1616, fol. 229v05v: [...] das Glück meine ein geraume Zeit in der ferrn gewesene beste Freundin/ CONCORDIAM/ wider zu Land gebracht/ durch welcher Hilff/ nechst / GOtt/ ich diese Monstrosische Bestien gezwungen/ vnd in meine Banden gebracht. Dieweil ich aber von der FAMA berichtet/ was für ein ansehen- / licher Convent/ sonderlich meiner trewen Favoriten/ sich allhie befinde/ hab ich billich mich/ sampt meinen Gefährten hieher verfügen/ jhnen diesen [...]
  • Stuttgart 1616, fol. 229v05v: [...] Alle Feind die mir setzen zu/ / Weil Jch hab gesigt/ / Vnd überwunden diß Monstrum / So ich gebunden führ herumb/ / Jetzt es vnderligt / [...]
  • Stuttgart 1616, fol. 229v05v: [...] NIemandt hat ihm ie bildet ein/ / Das solt zuüberwinden sein/ / Diese Bestia. / Weil sie mit jhrer list vnd macht. / Die welt fast vnter sich gebracht/ [...]
  • Stuttgart 1616, fol. 229v05v: [...] 4. / Aber nunmehr gedempffet ist/ / Diß Monstri tyranney vnd list/ / O Concordia / [...]
  • Stuttgart 1616, fol. 229v47r: [...] / Einträchtigkeit volgete hierauf allein/ vnd brachte vor jhr / her/ gebunden das wunderthier Zwiträchtigkeit/ aller Reich / ertzfeind. Dises war wie ein mansbild/ vnd erschröcklich mit vilen / gesichten/ vnd noch sovil armen/ füssen/ vnd in so vilerley vnder- [...]
  • Stuttgart 1616, fol. 229v47v: [...] / Da nun das scheutzliche wunderthier für das liebgebährende/ / vnd frid-ernöhrende schöne frawenzimmer/ vnd für die herren / Richtern kame; erzaigete es sich (falsch vnd schalckhaftig) als ob es/ [...]
  • Stuttgart 1616, fol. 229v48r: [...] worts (Glück ist nicht ohn Neyd) vielfältig erfahren müs- / sen: Jndem neben andern meinen Feinden ein grewlich vnnd ab- / schewlich Monstrum auß Abgrund der Höllen entsprungen/ Mich / nun so lange Zeit also tribuliert/ vnd dermassen mir zugesetzt/ daß / mehr dann einmahl ich mich alles deß Meinigen/ ja deß Lebens selb- [...]
  • Stuttgart 1616, fol. 229v48r: [...] Concordiam, wi- / der zu Land gebracht/ durch welcher Hilff/ nechst GOtt/ ich diese / Monstrosische Bestien gezwungen/ vnd in meine Banden gebracht. / Dieweil ich aber von der Fama berichtet/ was für ein ansehenlicher [...]
  • Stuttgart 1616, fol. 229v48v: [...] Alle Feind die mir setzen zu/ / Weil Jch hab gesigt/ / Vnd überwunden diß Monstrum / So ich gebunden führ herum/ / Jetzt es vnderligt. [...]

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